Nachlese zur E-world 2019: Branche im Aufschwung?

Das große Branchentreffen in Essen muss mal wieder ein voller Erfolg gewesen sein – ca. 25.000 Besucher zog es wieder in die Messehallen. Mit einem gefühlt nochmals größeren Besucherandrang, insgesamt 5 vollgepackten Hallen mit insgesamt 780 Ausstellern und einem breiten Themenspektrum beeindruckte die Veranstaltung mehr denn je. Natürlich, wie sollte es anders sein, galt ein Schwerpunkt erneut der Digitalisierung der energiewirtschaftlichen Unternehmen.

Lässt man die E-World 2019 unvoreingenommen auf sich wirken, so befindet sich hier eine Branche anscheinend mitten im Wandel. Unter den Leitmotiven ‚Smart Cities‘ und ‚Climate Solutions‘ prägten erfolgreiche Beispiele von Cloud-Technologien, Anwendungen auf der Basis von Blockchain-Technologien und jede Menge Angebote von White-Label-Ansätzen das Bild.

All dies sollte aber nicht darüber hinweg täuschen: Wir befinden uns seit Jahren nur im „Versuchsmodus“. Tatsächlich ist es in vielen Gesprächen das Fragezeichen, das überwiegt:

  • Werden die neuen Software-Anbieter PowerCloud und Co. SAP IS-U tatsächlich den Rang ablaufen?
  • Welche Rolle spielt der Energiesektor im Hinblick auf die Entwicklung und den Ausbau der E-Mobility-Infrastruktur?
  • Kann der Ausbau der Telekommunikations-Infrastruktur in den nächsten Jahren ein lukratives Standbein der Energieversorgungsunternehmen werden?

Wir bei konsekwent sind davon überzeugt: Eine Antwort auf diese Fragen ist nicht vorbestimmt. Sie hängt vom Verhalten der Marktteilnehmer und deren unternehmerischem Geschick ab. Dabei kommt einer Branche, die es über Jahrzehnte gelernt hat, sich den Vorgaben der Regulierung entsprechend aufzustellen, sicher nicht zugute, dass jetzt risikoorientierte Entscheidungen über den künftigen Erfolg bestimmen.

Zum ersten Mal war auch die konsekwent durch eine Präsenz der Horizonte-Group auf dem ZVEI-Gemeinschaftsstand auf der E-world vertreten. Zwei unserer Horizonte Senior Partner hielten einen Vortrag zur Entwicklung des Messwesens im Rahmen des Smart Tech Forums:

Abseits von unserem eigenen erstmaligen Auftritt auf der E-World haben auch wir die Gelegenheit genutzt und alte Bekanntschaften gepflegt und neue Kontakte aufgebaut. Einige unserer Erkenntnisse wollen wir gerne mit Ihnen teilen*:

1. Messstellenbetreiber weiter in Wartestellung

Zur Zertifizierung intelligenter Messsysteme gab es grundsätzlich keine Neuigkeiten. Nachdem PPC als erster Anbieter noch im Dezember 2018 die CC-Zertifizierung und damit alle erforderlichen Freigaben für die Nutzung ihrer Geräte mit der Wirk-PKI erhielt, tun sich die anderen acht Anbieter, die sich in der Zertifizierungsphase befinden, augenscheinlich schwer. Insbesondere der im Januar plötzlich doch wieder geforderte TAF2 scheint die Vergabe der Zertifikate zu verzögern. Allgemein erwarteten unsere Gesprächspartner in den nächsten Wochen eine weitere Zertifizierung des Gateways von Dr. Neuhaus. Wann dann ein weiterer Anbieter zertifiziert wird und damit die erforderlichen Voraussetzungen für eine positive Marktanalyse („Markterklärung“) erreicht werden, liegt im Unklaren. Zu den Metering-Days im Oktober, so die allgemeine Erwartung, würde dann der Rollout-Start von intelligenten Messsysteme für grundzuständige Messstellenbetreiber verpflichtend starten.

Am Stand des BSI führten wir ein Fachgespräch bzgl. der SMGw-Zertifizierung:

smartOPTIMO ist auch schon vor der Markterklärung bereit für den iMSys-Rollout:

2. E-Mobility-Angebote konsolidieren sich

Viele Energieversorgungsunternehmen haben bereits mit dem Ausbau der technischen Ladeinfrastruktur begonnen. Sowohl Hardware-Anbieter (WireLane) als auch Software-Anbieter für die ganzheitliche Abwicklung dieser Infrastrukturen und die Abrechnung der Ladesäulen bieten Ihre Lösungen interessierten Unternehmen an.

Wirelane hat nicht nur futuristisch anmutende Ladeinfrastruktur, sondern auch eine innovative Lösung für die Suche freier Ladesäulen:

smartlab fokussiert sich auf die Vernetzung von Ladeinfrastruktur:

3. White-Label-Angebote für zukunftsweisende Tarife

Wie können trotz des lange verzögerten Rollouts von Smart Metern in Deutschland dennoch innovative Produkte und Tarife angeboten werden? Auf der Basis von Hardware-erweiterten modernen Messeinrichtungen bieten sich interessierten Unternehmen verschiedene Lösungen. Vom MeDa-Zähler der innogy, über das Angebot von Fresh Energy bis hin zur flexiblen Ergänzungs-Lösung von Powerfox können schon heute Lastverläufe mit überschaubarem Aufwand visualisiert und damit Kunden interessante Angebote und Mehrwertdiesnte unterbreitet werden. Doch, was genau sagt hierzu die Regulierung? Einen ersten Fingerzeig zu den „intelligenten“ modernen Messeinrichtungen gab es in der Studie „Barometer Digitalisierung der Energiewende“, demnach „kann es sich hierbei nur um Übergangslösungen handeln, da mit Feststellung der technischen Möglichkeit durch das BSI Messeinrichtungen nur noch über das SMGW in ein Kommunikationsnetz eingebunden werden dürfen“ (S. 46).

Fresh Energy analysiert die Verbrauchsdaten mit komplexen Algorithmen und maschinellem Lernen um Transparenz für den Verbraucher herzustellen:

powerfox ermöglicht die Einführung digitaler Mehrwertdienste im Messstellenbetrieb:

4. IT-Kosten steigen und steigen

Nahezu allen Messebesucher/innen, die bei einem Unternehmen der Versorgungswirtschaft angestllt sind, ist das Klagen über die immer weiter steigenden IT-Kosten gemein. Sowohl der Aufwand für Abrechnungs- und Backendsysteme als auch die Entwicklung von Einzellösungen steigen weiter ungehindert. Gleiches kann von den Erlösen aus dem regulierten und dem nicht regulierten Geschäft nicht behauptet werden. Kein Wunder also, dass neue Angebote Konjunktur haben. Ein beeindruckender Stand von Powercloud zeugt von dem Versuch, neben den angestammten Softwareangeboten ein weiteres Angebot im deutschen Markt zu etablieren.

5. Mako 2020 – Megathema für 2019

Dabei werden die IT-Ressourcen auch in 2020 weiter nicht an mangelnder Auslastung zu klagen haben. Mit der Umsetzung der neuen elektronischen Marktkommunikation zum 1.12.2019 müssen die Unternehmen dicke Bretter bohren. Der Start der Projekte sollte nun unvermittelt erfolgen, um die neue Rolle des MSB ab Dezember erfolgreich unterstützen zu können. Wann dann das sogenannte Zielmodell der sternförmigen Kommunikation folgt, und umzusetzen ist, hat die BNetzA noch nicht verlauten lassen.

Next Level Integration liefert innovative Software für die Energiewirtschaft:

Vielen Dank für die vielen spannenden Gespräche und Eindrücke auf der Messe und auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

Unsere Präsenz auf dem ZVEI-Gemeinschaftsstand:

* Die Berichte erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und die Auswahl der aufgeführten Unternehmen kommt weder einer Empfehlung für diese Unternehmen nach, noch keiner Empfehlung der nicht besuchten Unternehmen.